Deutscher Meister 2020

Bundesligafinale 2020 – Spannender als jeder Krimi
Da unter den besonderen Umständen in diesem Jahr leider keine Vorläufe stattfinden konnten bot das diesjährige Finale eine einmalige Chance!
Bis zum Schluss konnten Teams gemeldet, gewechselt und optimiert werden, da aufgrund der fehlenden Qualifikationsregatten jedes Team startberechtigt war. Gemeldet war dann ein Starterfeld von ca. 70 Surfern, mit insgesamt 19 Teams. Austragungsort dieses Jahr der Auesee in Wesel, Gastgeberverein die RTGW.
Bereits am Mittwoch hieß es schnell nach einer letzten Trainingssession das Wohnmobil packen, damit man am Donnerstagabend nach der Arbeit zügig loskonnte.
In Wesel angekommen, musste dann das erste kleine Hindernis überwunden werden, zwar waren wir gut durchgekommen und auf jeden Fall müdigkeitstechnisch sehr bereit für die Nacht, doch die Zufahrtsschranke ca. einen 1km vom See entfernt war verschlossen. Nach einem kurzen Telefonat und viel Fragerei war der Schlüssel dann aber doch zu organisieren und so konnte das Lager eingerichtet werden. Ganz nebenbei unter einem fantastischen Sternenhimmel!
Der Freitagmorgen begann dann mit einem ausgiebigen Frühstück, bereits ein wenig Fachsimpelei, wie gut welches Material funktioniert und einer kleinen Analyse darüber wie die Chancen stehen sich ganz nach vorne zu fahren. Unser Ziel #sail4gold war doch nach der Meldung eines neuen Teammitglieds vom DWSC Großenbrode nämlich Moritz Martin doch ein wenig weniger realistisch geworden als eigentlich gedacht. Lob an dieser Stelle, einfach einer der besten Raceboarder die wir je hatten bzw. natürlich immer noch haben. Aber nichts desto trotz ein Ziel ist ein Ziel und wir wollten natürlich alles daran setzten dies auch zu erreichen!
Der erste Startschuss erfolgte dann nach kurzer Startverschiebung gegen 14 Uhr. Bei wie man im Norden wohl sagen würde kompletter Flaute. Aber das ist nun mal Raceboardbusiness und pumpen an der frischen Luft macht doch auch mehr Spaß, als in jedem Fitnessstudio dieser Welt…
Bilanz nach Tag 1 waren dann drei Rennen, die alle Kopf an Kopf gefahren wurden. Zwischenergebnis: 1. Platz DWSC Großenbrode, 2. Platz WCJ Wilhelmshaven, mit einer Punktedifferenz von 7 Punkten. Also noch alles drin und man muss wirklich sagen bereits drei super spaßige Rennen in petto.
Bereit für noch mehr Spaß? Es folgte unser Weg zur Dusche…
Nach einwandfreier Navigation und einem Fußmarsch von ca. 10 min, standen wir dann alle nur mit Poncho bekleidet vor einem verschlossenen Tor zum Sportverein, wo auch angeblich die Duschen sein sollten. Problem Tor, Lösung Klettern, Schwierigkeit gemischte Gruppe an Personen, eigentlich alle nackt, Umsetzung „Ach komm rüber da“ und nach einer fantastischen heißen Dusche dann auf dem Rückweg auch durch das offene Tor auf der anderen Seite zurück zum Regattagelände. Wo ein gemütlicher Abend am Grill folgte, der ständig von der Frage begleitet wurde, „Warum eigentlich morgen so früh?“
Samstag 06:45 Uhr klingelte er dann der Wecker. Also mit unfassbarer Motivation das Plissee runtergeschoben, Blick auf den See, kompletter Ententeich, also wirklich -3 Knoten. Lösung „Ach noch 15min schlummern“. Danach dann aber ein flottes Frühstück und nach dem Skippers Meeting um 08:30 Uhr, ging es dann auch verhältnismäßig schnell auf den Regattakurs. Wo es dann auch tatsächlich den Tag über mit 10-16 Knoten wehte und 4 tolle Wettfahrten zu Stande kommen konnten. Was uns den Tag allerdings noch mehr versüßte war das unser vierter Teamkollege Fabian Aldinger, der leider am Freitag aufgrund einer Fortbildung noch nicht mitfahren konnte, endlich da war und direkt in allen vier Wettfahrten souverän ablieferte.
Zwischenergebnis nach Tag 2:
1. Platz WCJ Wilhelmshaven, 2. Platz DWSC Großenbrode, Punktgleich!
Spannender hätte wohl kein Krimi sein können. Abends hieß es dann also bei uns Taktik, Taktik, Taktik planen, mit anderen Worten, Bier, Grillfleisch, Salat, Hauptsache wir haben Spaß.
Sonntag 06:45 Uhr, täglich grüßt das Murmeltier. Ähnliche wenig Wind, nur wirklich wirklich viel Motivation bei uns im Team. Keiner von uns hatte den Titel bisher in seiner Karriere geholt aber jeder hatte so zum Start seiner Regattakarriere mit etwa 12/ 13 Jahren nach oben zu den Großen der Bundesliga geblickt und gedacht „Wow, da will ich auch mal hin – Deutscher Meister der Windsurf-Bundesliga“. Nun also, in Führung bei Punktegleichstand, manche würden sagen die Spannung war greifbar. „Nur Kein Druck, Hauptsache wir haben Spaß!“
Es folgte Rennen 1, beide Teams dicht beieinander, am Ende dominierte jedoch Großenbrode und ging mit 4 Punkten in Führung. Immer noch diesen Satz im Kopf „Kein Druck, Hauptsache wir haben Spaß“ aber „Verdammt wir können das schaffen, noch ist alles drin“. Also folgte Rennen zwei mit einem fantastischen Ergebnis für uns, wir konnten 9 Punkte gut machen und gingen somit mit einem Punktevorsprung von 5 ins dritte Rennen. „Kein Druck, Hauptsache wir haben Spaß“, „Verdammt wir können gewinnen, es ist das letzte Rennen, wir müssen den Vorsprung „nur“ halten“. Doch bereits an der ersten Tonne war klar, das Rennen wird hart. Platz 1-6, aufgeteilt auf 3x Wilhelmshaven, 3x Großenbrode, mehr Krimi ging nun wirklich nicht! Alle 6 on fire und mehr pumpend als noch irgendwie Kraft hätte da sein können. Es folgte Überholmanöver an Überholmanöver, vor zurück, zurück vor, bis zum letzten Meter wurde alles von Allen gegeben. Erlöst von riesigen Freunden-und Erlösungsschreien nach der Zieldurchfahrt eines jeden meiner Teamkollegen und Kollegin, wir konnten den Vorsprung halten und um einen weiteren Punkt ausbauen. Ob das begreiflich war? Für den ersten Moment wohl kaum, da wurden die Augen dann schon etwas feucht, nach den ersten Metern der Befreiung von allem Druck und aller Anspannung.
Zum krönenden Abschluss konnten wir dann noch zu viert mit einer Böe zusammen an Land gleiten, „Was ein geiles Feeling!!!“ Gefolgt von einer Siegerehrung im strahlenden Sonnenschein.
In diesem Sinne, danke an die Organisatoren die unter den gegebenen Umständen ein herausragendes Finale organisiert haben, danke an alle die dabei waren und danke für alle Fights um jeden Punkt. Wir freuen uns aufs nächste Jahr und planen natürlich die Titelverteidigung.
#sail4gold #nieohnemeinteam

Text: Team WCJ Wilhelmshaven 1
Ergebnisse
Platz WCJ Wilhelmshaven 1 70 Punkte
Jennifer Bender, Lasse Brudek, Fabian Aldinger, Markus Bouhier

DWSC Großenbrode 1 76 Punkte
Lars Deiterding, Moritz Martin, Andre Hartung, Walter Radecke

RSC Chiemsee 1 204 Punkte
Toni Stadler, Felix Huber